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Rhätische Bahn – Vorbild und H0m-Modellbau

Warum Kleinserien-Modelle?

      Alle hier namentlich aufgeführten Firmen sind lediglich exemplarisch genannt; die hier zitierten Beispiele erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ebenso stellt die Nennung (oder Nicht-Nennung) einer Firma keinerlei Wertung dar. Wenn Sie sich für diese Modelle interesieren, werden Sie sicher sowieso die Websites der einzelnen Hersteller besuchen bzw. sich entsprechende Informationen über deren Programm beschaffen.

      Keine Frage: Bemo und D+R, die beiden Grossserien-Hersteller von Fahrzeugen der RhB (und anderer Schmalspurbahnen), bauen ausgezeichnete Modelle. Trotzdem gibt es daneben noch eine grosse Zahl von Firmen, die vielen RhB-Freunden gar nicht bekannt sind (weshalb ich mich auf meinen Hersteller-Seiten um eine möglichst umfassende Übersicht bemühe), die gleichfalls RhB-Modelle bauen – in kleiner Auflage, oft nur auf Vorbestellung, und zu Preisen, die, seien wir ehrlich, manchmal die „Schmerzgrenze“ eines Normalverdieners nicht nur erreichen, sondern weit überschreiten.

      Muss das sein? Braucht man diese super-detaillierten und super-teuren Modelle?

      Die Antwort ist, Sie haben es vielleicht vermutet, ein klares „Ja und Nein“. Sie können eine grosse RhB-Anlage ausschliesslich mit Grossserien-Modellen betreiben und damit Ihr Leben lang glücklich sein. Die Kleinserien-Hersteller werden für Sie interessant, wenn Sie

  1. spezielle Fahrzeuge oder Fahrzeuge in bestimmten Versionen suchen,
  2. wenn Sie Fahrzeuge sehr früher Epochen suchen, oder
  3. wenn Sie Fahrzeuge suchen, deren Detaillierung über das hinaus geht, was in der Serienfertigung machbar ist.

      Schauen wir uns Beispiele dazu an:

1. Spezielle Fahrzeuge

      Ein typisches Beispiel für diese Kategorie ist der von HRF hergestellte Rollschemel-Wagen Ua 8302. Dieses Fahrzeug hat kein anderer Hersteller gebaut, wenn Sie es auf Ihrer Anlage einsetzen wollten, blieb nur dieses eine Modell (das es seit 2005 leider auch von HRF nicht mehr gibt). Für diese 35 g Metall und Kunststoff musste man allerdings mehr anlegen als für eine Ge 4/4 III von Bemo.

      Ein anderes Beispiel (mit fliessendem Übergang zu Punkt 2.) ist der berühmte Krankentransport-Wagen Dk 3503, den Sie bei Bayard, aber eben auch nur dort, bekommen.

      Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen …

 

2. Fahrzeuge früher Epochen

      Dieser Markt war bis vor einigen Jahren eine Domäne der Kleinserien-Hersteller; Bemo hat jedoch inzwischen auch entdeckt, dass die frühe RhB durchaus Liebhaber hat und hat mit dem schönen Modell der G 2/2+2/2 „Albula“ begonnen, diese früheren Epochen auch in grosser Serie einem weiten Kreis von Liebhabern zugänglich zu machen. Passende Wagen gibt es inzwischen auch. Eine mutige Entscheidung, welche die Firma sicher nicht bereut hat.

      Suchen Sie aber frühe Bernina-Fahrzeuge oder die klassisch grau-blauen Triebwagen der Chur-Arosa-Bahn, werden Sie für die ersteren sicher bei Wabu, für die letzteren bei Bayard oder Motreno fündig. Fahrzeuge mit „LD“-Beschriftung, also aus den nur sechs Jahren (1889–1895), in denen die RhB noch „Landquart-Davos-Bahn“ hiess, suchen Sie bei den grossen Herstellern vergeblich – hier helfen Ihnen Motreno oder Pirovino weiter.

 

3. Fahrzeuge mit sehr weit gehender Detaillierung

      In limitierter Auflage hat Bemo die Dampfschneeschleuder Xrot d 9213 herausgebracht. Dieses Modell erschien in der Reihe „Exclusive Metal Collection“; es wurde seinerzeit (2001) hier in der Schweiz für ca. Fr. 1000,– bis 1200,– verkauft.
      Ich habe mir diese Xrot angesehen: Es ist ein wirklich sehr schönes Modell.

      Trotzdem gibt es RhB-Modellbahner, die auf Börsen das Doppelte für das Ferro-Suisse-Modell der gleichen Maschine bezahlen und glücklich sind, überhaupt ein Exemplar dieses 1989 in kleiner Serie gebauten Modells aufgetrieben zu haben. Haben diese Modellbahner und Sammler einfach zuviel Geld übrig?
      Sicher nicht – aber sie wissen, wofür sie es ausgeben (man kann, gerade bei diesem Modell, auch sagen „anlegen“).

      Die Xrot von Ferro-Suisse hat zwar keine Digital-Schnittstelle, aber dafür kann man an diesem Modell z.B. die seitlichen Klappen öffnen, die den Blick auf das perfekt detaillierte Innentriebwerk freigeben. Es gibt Modellbahner, denen das wichtiger ist – und die auch bereit sind, dafür zu bezahlen.
      Vergleichen Sie einmal die zweiachsigen Personenwagen von Bemo mit denen eines Kleinserien-Herstellers: Gepäcknetze sind da wirklich filigrane Metallnetze, und selbst die Kleiderhaken und die Lampen auf den Plattformen fehlen nicht. Ob Ihnen das den mehrfachen Preis wert ist, müssen Sie selbst entscheiden …
      Nebenbei: Erstaunlich finde ich, dass ein von der H0-Grossserie bekanntes Phänomen auch im H0m-Kleinserien-Bereich anzutreffen ist: Die Mehrfach-Entwicklung des selben Fahrzeugs von verschiedenen Herstellern. Den C 2012 in der Ausführung ab 1999, also nach der Restaurierung durch den Club 1889, bekommen Sie bei Motreno, Pirovino und Wabu.

 

      Kann man aus dem Gesagten ein Fazit ziehen? Wenn überhaupt, dann wohl nur, dass unser Hobby so viele Facetten hat und so viele Möglichkeiten bietet, dass wirklich Jeder auf seine Art glücklich werden kann, sei es der Freund feinster Details, der Anhänger früher Epochen oder der Liebhaber der modernen RhB mit ihren Containerwagen und Werbeloks.
      Der bereits angesprochene Preis von Kleinserienmodellen relativiert sich da übrigens auch ein wenig: Ein Chur-Arosa-Triebwagen ist zwar teuer, kann aber auf einer Anlage oder einem Diorama allein für sich eingesetzt bzw. ausgestellt werden; ein vorbildgerechter Glacier-Express in voller Länge mit einer Ge 4/4 III als Zuglok mit Modellen eines Grossserien-Herstellers kommt letztlich auf den gleichen Preis.


Copyright © 2001–2008 und verantwortlich für den Inhalt: Christoph Ozdoba.
Erste Veröffentlichung am 6. September 2001, letzte Bearbeitung am 17. Februar 2008.


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