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Rhätische Bahn – Vorbild und H0m-Modellbau

Die Salonwagen der RhB

As 1141–1144

Alpine Classic Pullman Express am 23.9.2000 in Rothenbrunnen
Der „Alpine Classic Pullman Express“
(„Rhätisches Krokodil“ Ge 6/6 I 415, zwei Salonwagen, Gepäckwagen und „Gourmino“-Speisewagen)
passiert am 23.9.2000 die Station Rothenbrunnen
 

Die Geschichte der Salonwagen bis 1997

      Es war ein langer Weg, den die heutigen As 1141–1144 gehen mussten, bis das oben gezeigte Bild entstehen konnte, und zwischendurch sah es sogar einmal so aus, als seien die Tage dieser Wagen gezählt.
      Verfolgen wir einmal ein Stück Eisenbahn-Geschichte:

      Die Geschichte dieser 70 Jahre alten Wagen beginnt im Jahre 1931: Im Auftrag der CIWL (Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express Européens (1)) wurden bei der SIG in Neuhausen vier Salonwagen gebaut, die bei der MOB (Chemin de Fer du Montreux-Oberland Bernois) 1931 mit den Betriebsnummern AB4ü 103–106 in Dienst gestellt wurden und den „Golden Mountain Pullman Express“ von Montreux nach Zweisimmen bildeten (Details dazu auf meiner MOB-Site).

      Diesem Zug war kein Erfolg beschieden, wegen der damals schlechten Wirtschaftslage verkehrte er nur in der Sommersaison des Jahres 1931. Die CIWL hatte im Jahre 1931 für die vier Wagen 371'413,– Franken bezahlt; im Herbst 1938 bot sie die Wagen der RhB an. Durch geschicktes Verhandeln konnte die RhB-Direktion die Wagen zum Stückpreis von 30'000,– Franken erwerben (2–4).

      Die Wagen trafen am 6. Februar 1939 bei der RhB in Landquart ein, wurden dort den RhB-Standards entsprechend umgebaut und Anfang Oktober 1939 als AB4ü 241–244 in Dienst gestellt.
      Wiederum waren die Zeitumstände für die Salonwagen nicht günstig; erst ab 1947/48 wurden sie während der Wintersaison in einem Anschlusszug an den Express Calais–Chur eingesetzt.

      Im Jahr 1956 erhielten die Salonwagen die neuen Betriebsnummern A4ü 1241–1244, und 1964 wurden die bei der RhB seit 1942 grün/crème lackierten Wagen in As 1141–1144 umgezeichnet; diese Betriebsnummern tragen sie bis heute (4).

RhB Salonwagen 1141 grün
Bemo-Modell des As 1141 in grün

      In der grün/crèmefarbigen Ausführung verkehrten die Wagen bei der RhB von 1942 bis 1982.
      1974–77 wurden neue SIG-Torsionsstab-Drehgestelle und neue Einstiegstüren entsprechend den SBB-Wagen des Typs UIC-X montiert, die Untergestelle verstärkt und die Inneneinrichtung renoviert (3,4).
      1982 wurden die Wagen erneut umlackiert und fuhren seither in der Farbgebung rot/crème. (Übrigens: Die Abbildung bei Finke/Schweers (5) entspricht nicht ganz den Tatsachen: Die Wagen tragen nicht die Aufschrift „Rhätische Bahn“, sondern „RhB“.)

RhB Salonwagen 1141 rot mit Dachstreifen
Bemo-Modell des As 1141 in rot
mit gelbem Dachstreifen

      Man erkennt, neben der jetzt roten Farbgebung, die im Vergleich zur vorigen Abbildung geänderten Drehgestelle und die neuen Türen. Diese Abbildung zeigt noch die alte Version mit gelbem 1.-Klasse-Dachstreifen.

      Gegen Ende der achtziger Jahre entfiel bei den Salonwagen dieser gelbe Dachstreifen.

RhB Salonwagen 1141 rot ohne Dachstreifen
Bemo-Modell des As 1141 in rot ohne Dachstreifen
Copyright © S. Dringenberg, mit freundlicher Genehmigung hier verwendet

      Die einzigen Unterschiede zur vorherigen Abbildung sind der jetzt fehlende gelbe Dachstreifen und die rechteckige goldene Zierlinie im roten Feld unterhalb der Fenster.

 

Vom „SOS“ zum „Alpine Classic Pullman Express“

      Die vier roten Salonwagen, möglichst mit einem „Krokodil“ als Zuglok, waren fast so etwas wie ein Markenzeichen geworden – auf vielen Fotos sah man diese Kombination.
      Dass der weitere Erhalt dieser Wagen ernsthaft gefährdet war, war der Öffentlichkeit lange nicht bekannt.

      Man wurde schlagartig auf die Situation aufmerksam, als die RhB am 29.1.97 in der Hauptwerkstätte Landquart gemeinsam mit dem Verein Pro Salonwagen RhB eine Pressekonferenz gab. Anwesend waren Silvo Fasciati, Direktor der RhB, Walter Wälchli, Chef Hauptunterhalt, Roald Hofmann, Gesamtprojektcontroller, Willy Hochstrasser, Leiter Marketing (alle RhB) und Albert Glatt, Präsident des Vereins Pro Salonwagen.

Logo Verein „Pro Salonwagen RhB“

      Wo lag das Problem? Die 1931 gebauten Oldtimer benötigten dringend eine komplette Generalüberholung. Die RhB konnte die dafür erforderlichen Mittel allein nicht aufbringen, zumal sie für die Durchführung des Bahnbetriebes auf diese Fahrzeuge nicht angewiesen war. Nach dem am 1. Januar 1996 in Kraft getretenen revidierten Eisenbahngesetz war für solche Sonderfahrzeuge eine Finanzierung aus Bundesmitteln nicht zulässig. Um diese historisch wertvollen Wagen zu retten, hatte sich daher der Verein „Pro Salonwagen RhB“ konstituiert, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, diese vier Wagen zu erhalten.

Erstes Logo des Vereins „Pro Salonwagen RhB“ (Inschrift heute Festina Lente)  

      Für die Revision gab es ein klares Konzept: Die Kosten wurden insgesamt auf ca. 2 Millionen Franken geschätzt. Die Wagen sollten in einer neuen Farbgebung in mittelblau/beige ihren Dienst wieder aufnehmen. Der Umbau sollte so ausgeführt werden, dass auch ein Betrieb auf der Berninalinie St. Moritz–Tirano möglich wäre; Bremszahnräder sollten ausserdem den Einsatz auf den Zahnradstrecken der FO und BVZ im für Sommer 1998 geplanten „Nostalgie-Glacier-Express“ erlauben (6). Neu sollte es nicht mehr nur die Möglichkeit geben, einen solchen Wagen für eine Gruppenreise zu chartern, sondern es sollte auch öffentliche Fahrten mit den dann umgebauten Salonwagen geben.
      (Wie wir heute wissen, konnten diese ehrgeizigen Ziele tatsächlich verwirklicht werden.)

      Um auf die Situation der Salonwagen aufmerksam zu machen, wurden ab dem 24.12.1996 an allen vier Wagen unübersehbare Aussenanschriften „SOS – Helfen Sie, diesen historischen Salonwagen zu retten“ angebracht:

RhB Salonwagen: SOS-Aufschrift Aufschrift vergroessert
Bemo-Sondermodell des As 1141 mit „SOS“-Aufschrift

      Bis 1998 konnten die erforderlichen Mittel aufgebracht werden. Für Modellbahner besonders interessan: Beim Zeichnen eines Anteilscheins zu Fr. 1'000,– erhielt der Spender ein im Handel nie erhältliches Modell, den As 1141 von Bemo, in neuer Ausführung (7).

      Modellbahner konnten den Verein noch auf andere Weise fördern:
      In H0m gab es von der Firma Bemo alle vier Salonwagen mit der oben abgebildeten SOS-Beschriftung. Der gesamte Gewinn aus dem Verkauf dieser Wagen wurde von Bemo dem Verein „Pro Salonwagen RhB“ zur Verfügung gestellt.
      In Nenngrösse IIm, die wir hier der Vollständigkeit halber erwähnen sollten, gab es von LGB einen Salonwagen mit SOS-Aufschrift, der in einer Auflage von 1'000 Stück gefertigt wurde.

 

Die Restaurierung

      Bis Ende 1997 waren insgesamt ca. Fr. 1'000'000,– an Spenden eingegangen, so dass die Renovierung von zwei Wagen schon gesichert war: Im November begann in der RhB-Hauptwerkstätte in Landquart die Restaurierung der As 1143 und 1144 (8). Die Aufkleber waren inzwischen von allen vier Wagen wieder entfernt worden.

Inneneinrichtung der restaurierten Salonwagen
Abb. Copyright 1998 Michael Berres,
mit freundlicher Genehmigung hier verwendet

      Hauptsponsoren der aufwändigen Restaurierung waren die Schweizerische Speisewagen-Gesellschaft, die Graubündner Kantonalbank und die Bündnerische Denkmalpflege. Die Restaurierung wurde vom Bündnerischen Denkmalpfleger Dr. Rutishauser (9) begleitet, der sicherstellte, dass auch kleinste Details berücksichtigt wurden. So wurden alle Metallteile verchromt, der Bezugsstoff der Polstersitze wurde nach alten Fotos von einer Firma in Belgien nachgewoben.

      Die Aussenfarbe in Dunkelblau und Crème wurde entsprechend der ursprünglichen Farbgebung der Pullman-Wagen gewählt; die Inschrift an den Wagen lautet „Alpine Classic Pullman Express“. Die beiden ersten Wagen, As 1143 und 1144, wurden am 1. Juli 1998 in einer kleinen Feier in Dienst gestellt. Die Wagen unterliegen dem kantonalen Denkmalschutz; damit ist sichergestellt, dass sie in Zukunft von der RhB erhalten werden. Sie sind mit Bremszahnrädern ausgestattet und damit auch auf dem Netz der MGB (früher FO und BVZ) im Glacier-Express einsetzbar.

Neuer Salonwagen
Abb. Copyright 1998 Michael Berres,
mit freundlicher Genehmigung hier verwendet
Zug mit Krokodil Ge 6/6 I und restaurierten Salonwagen
Abb. Copyright 1998 Michael Berres,
mit freundlicher Genehmigung hier verwendet

      Sonderfahrten mit den ersten restaurierten Pullman-Wagen werden seit Juli 1998 angeboten (2,9,10). Der im Bild erkennbare, in gleicher Farbgebung wie die Salonwagen gehaltene, Gepäckwagen hat übrigens eine lange Geschichte:
      Er wurde 1903 als AB 124 in Dienst gestellt; das Fahrgestell diente 1931 als Basis für den Umbau zum 4062. 1994 wurde der Wagen mit Tischen und Bänken ausgestattet und seither von Lokführern in Samedan als Aufenthaltswagen benutzt; er konnte auch als „Rollende Beiz“ gemietet werden. Nun also läuft er, zum krönenden Abschluss seiner Laufbahn, im ”Alpine Classic Pullman Express“.

As 1143 „75 Jahre Glacier-Express“
As 1143 am 15.10.2005 in Landquart

      Zum Jubiläum „75 Jahre Glacier-Express“ im Jahr 2005 erhielten alle vier Salonwagen zusätzlich eine Lackierung mit einem entsprechenden speziellen Logo, das nur im Jubiläumsjahr verwendet und inzwischen wieder entfernt wurde.

      Was wurde aus dem Verein Pro Salonwagen, nachdem As 1141–1144 restauriert und damit für die Zukunft gerettet wurden?
      Es gibt ihn noch, und er engagiert sich weiter aktiv für die Ergänzung des „Alpine Classic Pullman Express“ mit weiteren Wagen. Informationen dazu finden Sie auf der → Website des Vereins.

 

Die As 1141–1144 als H0m-Modelle

      Zwei Hersteller haben sich bislang in der Baugrösse H0m der Salonwagen angenommen:

      Die Firma Ferro-Suisse bot das komplette Set als Bausatz an – es ist heute, insbesondere noch ungebaut und natürlich in der Original-Verpackung, sehr gesucht und erzielt hohe Preise auf Börsen und im privaten Verkauf. Das Set wurde im 1984 erschienenen „Schmalspur-Digest 1“ vorgestellt. Die Modelle stellen die Ausführung von 1956 bis 1964 dar, also als A 1141–1144, nicht „As“; Beschriftungen für die „As“-Version gibt es in dem Bausatz nicht. Die Ausführung entspricht dem üblichen Standard dieses Herstellers, selbst die Intarsien an den Innenwänden wurden nachgebildet. (Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass im Schmalspur-Digest 2, Erscheinungsdatum 10/86, das Wagenset in Baugrösse 0m präsentiert wurde – hier gab es dann sogar Stoff-bezogene Sessel!)
      Der Kreis der RhB-Modellbahner, die sich an diesen Modellen erfreuen konnten, blieb naturgemäss begrenzt – Ferro-Suisse baut kleine Serien und legt ausverkaufte Modelle niemals neu auf.

      Von Bemo gab es bereits relativ früh die Salonwagen in H0m. Im Laufe der Zeit kamen alle Versionen auf den Markt, hier ein tabellarischer Überblick:

RhB-Salonwagen As 1141–1144 von Bemo
Ausführung Betriebs-Nr. Katalog-Nr.
grün / crème 1141
1142
1143
1144
1141–1144 (Set)
3272 101
3272 102
3272 103
3272 104
7272 134
rot / crème
mit gelbem Dachstreifen
1141–1144 (Set) 7272 124
rot / crème
ohne gelben Dachstreifen
1141–1144 (Set) 7272 114
rot / crème
ohne gelben Dachstreifen
„SOS“-Beschriftung
1141
1142
1143
1144
3272 111
3272 112
3272 113
3272 114
blau / crème
Alpine Classic Pullman Express
1141
1142–1144 (Set)
3272 141; nicht im Handel
7272 120
blau / crème
Alpine Classic Pullman Express
75 Jahre Glacier-Express
1141
1142–1144 (Set)
3272 140
7272 140
Quelle: Diverse Bemo-Kataloge, Neuheitenblätter und Liste CH-07.

Fussnoten:

  1. Die Geschichte der CIWL wäre alleine schon einen ausführlichen Artikel wert:
    Im Oktober 1872 von dem damals 27-jährigen Georges Nagelmackers als Compagnie des Wagon-Lits gegründet, wird die Firma am 4.12.1876 um das Internationale im Namen erweitert.
    Nach einem Zwischenspiel unter der Leitung von Colonel William d'Alton Mann, einem Pionier der Eisenbahn, der wegen der übermächtigen Konkurrenz durch die Pullman Company aus den USA nach Europa gekommen war, übernahm Nagelmackers wieder allein die Geschäftsleitung; Hauptaktionär war König Leopold II. von Belgien.
    1886 wird der Name der Firma erneut erweitert, sie heisst jetzt Compagnie Internationale des Wagons-Lits et des Grands Express Européens. Diese Bezeichnung bleibt bis 1967 gültig, dann erfolgt die Umbenennung in Compagnie Internationale des Wagons-Lits et du Tourisme.
    Die Epoche, die uns interessiert, ist jene der „klassischen“ CIWL in den dreissiger Jahren.
    Literatur: Schiller, H., Siermann, L.: Orient-Express. Reich Verlag AG, Luzern 1990
  2. Rettung der Salonwagen der Rhätischen Bahn. Schweizer Eisenbahn-Revue 3/97, S. 94–97
  3. Aktion zur Rettung der historischen Salonwagen der RhB. Das Krokodil, Offizielles Organ des Albula-Bahn-Club Bergün, 1/97, S. 7
  4. Finke, W., Schweers, H.: Die Fahrzeuge der Rhätischen Bahn 1889–1996. Bd. 1: Personenwagen, Speisewagen, Gepäck- und Postwagen. Schweers+Wall, Aachen 1996. Kapitel 9: Die vier Pullman-Wagen des früheren „Golden Mountain Pullman Express“.
  5. Finke, W., Schweers, H., a.a.O.: Anhang V: Die Farbgebung im Wandel der Zeiten
  6. LGB-Depesche, Heft 88
  7. Der As 1141 war exklusiv für die 1'000-Franken-Spender reserviert. Das Set 7272 120 enthält nur die As 1142–1144.
  8. RhB-Pullman-Wagen: Restaurierung beginnt. Eisenbahn-Modellbahn-Magazin 2/98, S. 42
  9. Rutishauser, H.: Rollende Kunstdenkmäler. Terra Grischuna 4/98, S. 75–77
  10. Presse-Information des „Verein Pro Salonwagen RhB“ 1998

Copyright © 1998–2008 und verantwortlich für den Inhalt: Christoph Ozdoba.
Erste Veröffentlichung am 26. Januar 1998, letzte Bearbeitung am 17. Februar 2008.


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