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Diese Lokomotivbauart heisst nach ihrem Erfinder, dem Schweizer Anatole Mallet (23.10.1837 – 10.10.1919), der im Jahre 1884 ein Patent auf die Vierzylinder-Verbund-Doppellokomotive erhielt. Sie gehört zur Kategorie der Gelenklokomotiven; die vordere Triebwerksgruppe ist als Drehgestell ausgeführt, die hintere im Hauptrahmen gelagert. Beide Triebwerksgruppen haben einen eigenen Antrieb nach dem Verbund-Prinzip: Das hintere Triebwerk wird durch die Hochdruck-, das vordere durch die Niederdruckzylinder angetrieben. Der Kessel ist fest auf dem Hauptrahmen gelagert und stützt sich auf dem vorderen Triebdrehgestell über Gleitplatten ab. Eine der bekanntesten Mallet-Lokomotiven ist die bayerische Gt 2x4/4 (spätere Baureihe 96). Sehr verbreitet waren Mallet-Lokomotiven in den USA; die gewaltigen Kessel z.B. eines „Big Boy“ (class 4000) wären auf einem durchgehenden Hauptrahmen nicht unterzubringen gewesen.
Der Vollständigkeit halber sei eine andere Bauart von Gelenklokomotiven erwähnt, von der wir heute bei der RhB in Form der Xrot d sogar noch ein funktionsfähiges Beispiel finden: Die Bauart Meyer (nach Jean Jacques Meyer, 1804–1877). Meyer-Lokomotiven besitzen zwei Triebdrehgestelle; um kurze Dampfleitungen zu ermöglichen, wurden die Zylindergruppen üblicherweise in Lokomotivmitte gegenläufig zueinander angeordnet (1).
Von den bei der LD (Landquart-Davos-Bahn) bzw. später RhB (2) zwischen 1891 und 1903 beschafften insgesamt 12 Mallet-Lokomotiven ist leider keine einzige erhalten geblieben.
Das verfügbare Bildmaterial ist spärlich, Farbbilder existieren nicht, und oft ist man bei dem Versuch, Dokumentationen über den Einsatz dieser Lokomotiven zu beschaffen, auf alte (evtl. handkolorierte) Postkarten angewiesen.
Abweichend von meinen sonstigen Bemühungen, eigenes oder mir persönlich zur Verfügung gestelltes Bildmaterial auf meiner RhB-Site zu verwenden, muss ich daher auf dieser Seite leider z.T. auf publiziertes Material aus anderen Quellen zurückgreifen – es ist beim besten Willen nicht möglich, aktuell Bilder einer Mallet zu machen! Dem interessierten Leser sei insbesondere das Buch von Jeanmaire empfohlen; es ist eine Fundgrube an Daten, technischen Zeichnungen und alten Fotos, wobei auch Jeanmaire teilweise alte Postkarten abbildet.
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Diese Abbildung ist eine extreme Vergrösserung einer im Original 14 x 9 cm grossen Postkarte, auf der die Lok gerade einmal 11 mm lang ist – eine typische Quelle für zeitgenössisches Bildmaterial der RhB-Mallets. (Die ganze Karte ist übrigens auf der Seite „RhB-Postkarten – Albulalinie“ abgebildet.)
Immerhin erlaubt dieses winzige Bild bereits eine recht gute Zuordnung der Lok: Es ist eine Mallet der Serie G 2/3+2/2, womit die Betriebsnummern 25 bis 32 in Frage kommen; das Bild zeigt die Maschine mit kurzen Wasserkästen, also im Zustand zwischen 1902 und 1907.
Die 12 RhB-Mallets verteilen sich auf drei Serien mit unterschiedlicher Achsfolge. Es gab
| hinten | vorne | 2 Exemplare (3) der Serie | G 2/2+2/2 | (2 Triebwerke mit je zwei angetriebenen Achsen), |
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| hinten | vorne | 2 Exemplare der Serie | G 2/2+2/3 | (2 Triebwerke mit je zwei angetriebenen Achsen, 1 Nachlaufachse), und |
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| hinten | vorne | 8 Exemplare der Serie | G 2/3+2/2 | (1 Vorlaufachse, 2 Triebwerke mit je zwei angetriebenen Achsen). |
Die Lokomotiven mit der Achsfolge G 2/2+2/2 waren als Nr. 6 und 7 von der LD bei Maffei in München bestellt worden (Fabriknummern 1613/1614), alle anderen Maschinen wurden von der RhB bei der SLM in Winterthur in Auftrag gegeben (Fabriknummern 23/24: 958/959; 25–32: 1480–1487).
| G 2/2+2/2 | B'B | Länge über Puffer: 10'250 mm; Leergewicht 32,4 t; Leistung 430 PS, Zugkraft 5'750 kg, Höchstgeschwindigkeit 45 km/h; Treibraddurchmesser 1'050 mm; Zylinderdurchmesser 330 mm (Heissdampf), 490 mm (Nassdampf); Kolbenhub 550 mm | ||
|---|---|---|---|---|
| Betriebsnummer | Name | In Dienst gestellt |
Ausrangiert bei RhB | Verbleib |
| 6 (LD), 21 (RhB) | Scaletta | 23.6.1891 | 1920 | nach Brasilien verkauft |
| 7 (LD), 22 (RhB) | Albula | 1.7.1891 | ||
Beide Maschinen wurden durch Einbau einer vorderen Adams-Laufachse zu G 2/3+2/2, also der Achsfolge (1'B) B, umgebaut (Nr. 22: 1910, Nr. 21: 1911). |
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Dank eines Eisenbahnfreundes aus Brasilien, Eduardo Coelho, wissen wir über die Geschichte dieser Maschinen Einiges, was in der Literatur bisher nicht zu finden ist: |
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| G 2/2+2/3 | B'B1' | Länge über Puffer: 10'343 mm; Leergewicht 36,5 t; Leistung 500 PS, Zugkraft 6'600 kg, Höchstgeschwindigkeit 45 km/h; Treibraddurchmesser 1'050 mm; Zylinderdurchmesser 315 mm (Heissdampf), 490 mm (Nassdampf); Kolbenhub 550 mm | ||
| Betriebsnummer | Name | In Dienst gestellt |
Ausrangiert bei RhB | Verbleib |
| 23 | Maloja | 30.5.1896 | 1926 | verkauft an Kraftwerke Oberhasli, Meiringen (Betriebsnummer dort beibehalten), 1940 abgebrochen |
| 24 | Chiavenna | 12.6.1896 | ||
Die Namen dieser beiden Lokomotiven sollten auf die geplanten Erweiterungen des RhB-Streckennetzes hinweisen (s. auch „Die Engadinerlinie der RhB“). |
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| G 2/3+2/2 | (1'B) B | Länge über Puffer: 10'626 mm; Leergewicht 39,7 t; Leistung 500 PS, Zugkraft 6'600 kg, Höchstgeschwindigkeit 45 km/h; Treibraddurchmesser 1'050 mm; Zylinderdurchmesser 315 mm (Heissdampf), 490 mm (Nassdampf); Kolbenhub 550 mm | ||
| Betriebsnummer | In Dienst gestellt |
Ausrangiert bei RhB | Verbleib | |
| 25 | 25.11.1902 | 1921 | verkauft nach Madagaskar, 950 mm-Spur*, dort zunächst Nr. 51, später 40-820 (?), ca. 1951 abgebrochen | |
| 26 | 3.12.1902 | 1921 | verkauft an die Yverdon-Ste.Croix-Bahn, dort Nr. 26, nach Elektrifizierung 1947 verkauft nach Spanien (zunächst Union Española de Explosivos, Minas de Cala, Sevilla, 1952 Estado Manresa-Guardiola, dort Nr. 601, nach 1961 abgebrochen) | |
| 27 | 10.12.1902 | 1921 | verkauft an die Yverdon-Ste.Croix-Bahn, dort Nr. 27, nach Elektrifizierung 1946 abgebrochen | |
| 28 | 20.12.1902 | 1920 | verkauft an die Yverdon-Ste.Croix-Bahn, dort Nr. 28, nach Elektrifizierung 1947 verkauft nach Spanien (zunächst Union Española de Explosivos, Minas de Cala, Sevilla, 1952 Estado Manresa-Guardiola, dort Nr. 602, 1958 Estado Peñarroya-Puertollano, nach 1969 abgebrochen) | |
| 29 | 29.12.1902 | 1921 | verkauft nach Madagaskar, 950 mm-Spur*, dort zunächst Nr. 52, später 40-821 (?), ca. 1951 abgebrochen | |
| 30 | 5.1.1903 | 1921 | verkauft nach Madagaskar, 950 mm-Spur*, dort zunächst Nr. 53, später 40-822 (?), ca. 1951 abgebrochen | |
| 31 | 15.1.1903 | 1921 | verkauft nach Madagaskar, 950 mm-Spur*, dort zunächst Nr. 54, später 40-823 (?), ca. 1951 abgebrochen | |
| 32 | 24.1.1903 | 1921 | verkauft nach Madagaskar, 950 mm-Spur*, dort zunächst Nr. 55, später 40-824 (?), ca. 1951 abgebrochen | |
| *: Die Angabe stammt aus der Literatur, ich finde allerdings aktuell nur die Information, dass Madagaskar ein 1000-mm-Netz hat. | ||||
Die Lokomotiven dieser Serie hatten keine Eigennamen mehr. Die Verlängerung der Wasserkästen wurde 1906/07 durchgeführt. |
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„Bislang hat sich kein Grossserienhersteller an die Mallets ‘herangetraut‘ – die Zahl der Modellbahner, die eine Anlage der Epoche I bzw. II A betreiben, ist so klein, dass ein solches Modell zwangsläufig keine grossen Stückzahlen erreichen kann.
Modelle der Mallets gibt es ausschliesslich von Ferro-Suisse – oder besser, gab es, denn diese Maschine wird längst nicht mehr gebaut und getreu der Firmenphilosophie auch nicht mehr neu aufgelegt, so dass der interessierte Sammler oder Modellbahner im Kleinanzeigenteil von Fachzeitschriften, auf Modellbahnbörsen oder bei spezialisierten Händlern suchen muss.“
Diesen Text schrieb ich im August 1998; ein halbes Jahr später musste ich ihn erstmals ergänzen: Bemo zeigte auf der Spielwarenmesse 1999 ein – allerdings limitiertes – Modell der Mallet Nr. 22. Das ganz aus Metall bestehende Modell stellt die Lok in der Ausführung vor Einbau der Adams-Achse, also in der Zeit zwischen 1895 und 1910, dar. Die limitierte Serie musste damals bis zum 1. Mai 1999 bestellt werden. Dieses Modell (Bemo Nr. 1293 112) war sehr schnell ausverkauft; heute müssen Sie, wie oben gesagt, auf Börsen suchen.
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| Mallet Nr. 22 von Bemo |
Vier Jahre später brachte Bemo als Exclusiv-Modell 2003 die Nr. 24 mit grossem Schneepflug (Bemo Nr. 1293 124) und damit ein Modell der Serie G 2/2+2/3.
2009 wurden von Bemo gleich zwei Mallets neu vorgestellt, beide aus der letzten Serie der G 2/3+2/2. Die Nr. 25 mit kurzem Wasserkasten wird als „normales“ Modell, die Nr. 29 mit langem Wasserkasten in der Metal Collection erscheinen.
Epochengerechte Wagen zu diesen Loks gibt es übrigens ebenfalls bei Bemo (auch bei den Wagen sind 2009 interessante Neuerscheinungen angekündigt worden) oder beim Modellbauatelier Pirovino.
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| Mallet Nr. 25 von Ferro-Suisse | |
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Ferro-Suisse brachte als erstes Modell überhaupt die Mallet G 2/3+2/2 Nr. 25 heraus, und zwar noch mit den kurzen Wasserkästen in der Version bis 1906/07 (Abb. oben). Die Zeichnung ganz oben auf dieser Seite – modifiziert nach Jeanmaire – zeigt eine Variante mit langen Wasserkästen, die nach vorn bis zur Rauchkammertür reichen. Das unlackierte Messingmodell (links, aus Schmalspur-Digest 1, Copyright © 1984 Ferro-Suisse) lässt besonders deutlich die perfekte Detaillierung des Antriebes und der Aufbauten erkennen. |
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| Mallet Nr. 23 von Ferro-Suisse | |
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Die Serie der G 2/2+2/3-Mallets war bei Ferro-Suisse durch die Nr. 23 „Maloja“ vertreten. Neben der normalen Ausführung der Lok (Abb. oben) gibt es ein Modell einer Maschine, die es eigentlich, zumindest so, nicht gab, von der aber Fotos existieren. |
Ein SLM-Werkfoto, das die Lok in dieser Ausführung zeigt, ist bei Stolz/Hänecke abgebildet. In meiner Postkarten-Sammlung habe ich eine zeitgenössische Karte, auf der die Nr. 23 mit Zierstreifen abgebildet ist:
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Die Direktion der RhB war von dieser Ausführung offenbar nicht begeistert. Wir wissen nicht, was den Herren missfiel: Erschienen die Zierlinien insgesamt zu verspielt, oder gaben praktische Bedenken den Ausschlag? Die Loks hätten bei der im Betrieb üblichen Verschmutzung häufig gereinigt werden müssen, wenn die Streifen wirklich sichtbar bleiben sollten.
Wie auch immer – Ferro-Suisse hat dieser Maschine, die so nie das Netz der RhB befuhr, ein schönes Denkmal gesetzt.
Ein sehr interessantes Modell einer Mallet – eigentlich schon kein Modell mehr, sondern ein verkleinertes Original – finden Sie bei der → Dampfbahn Katzensee: Dort ist eine RhB-Mallet auf 7¼-Zoll-Spur unterwegs – ein imposantes Modell!
Literatur:
Copyright © 1998–2009 und verantwortlich für den Inhalt: Christoph Ozdoba.
Erste Veröffentlichung am 16. August 1998, letzte Bearbeitung am 1. März 2009.