Mit dem Lesen dieser Seite erklären Sie, dass Sie die rechtlichen Hinweise gelesen und verstanden haben und sie akzeptieren.
 
Logo der RhB-Website von Christoph Ozdoba; Copyright © C. Ozdoba Sie sind hier:

Adresse dieser Seite:
http://www.ozdoba.net/rhb/fzg/croco_d.html


Rhätische Bahn – Vorbild und H0m-Modellbau

Wie viele verschiedene „Krokodile“ gibt es eigentlich?

Normalspur-Krokodile

      Da normalspurige Lokomotiven hier nicht unser Thema sind, werden diese Maschinen nur kurz erwähnt.

Krokodil („Gotthard-Krokodil“, SBB; auch ÖBB)

      Der Begriff „Krokodil“ ohne Zusatz bezieht sich nach allgemeinem Verständnis auf die Lokomotiven der Baureihen Be 6/8 II und III und Ce 6/8 II und III der SBB (Schweizerische Bundesbahnen). Es sind leistungsfähige Normalspur-Güterzuglokomotiven (Gotthard-Strecke!), für viele Eisenbahnfreunde sind sie die schweizerische Lokomotive schlechthin.
      Es gab grüne und braune Versionen, und leicht modifiziert fuhr die Maschine auch bei den ÖBB (Österreichische Bundesbahnen).
      Dieses „klassische“ Krokodil sehen Sie auf den Titelbildern der beiden Krokodil-Bücher (s. „Literatur“). Eine schöne Übersicht zur Geschichte und Technik dieser Maschinen auf dem Web finden Sie → hier.


„Seetal-Krokodil“ (OeBB)

      Nicht vergessen wollen wir das „Seetal“-Krokodil der OeBB, der Oensingen-Bahlstal-Bahn (verwechseln Sie bitte nicht ÖBB und OeBB – und übrigens bitte auch nicht RhB und RHB … (1)).

      Die drei Maschinen dieser Bauart mit den Betriebsnummern 15301–15303 gehörten ursprünglich den SBB; alle drei wurden im April 1983 ausrangiert. 15302 und 15303 wurden leider verschrottet, 15301 kam zur OeBB und wird dort wieder aufgearbeitet (Dank an Rolf D. für die Information!).

      Näheres über diese Lokomotiven erfahren Sie auf Beat Birkhofers → OeBB-Site.


Deutsche Krokodile?

      Manchmal werden die deutschen Baureihen 93/(1)94 als deutsche Krokodile bezeichnet. Ein „echtes“ Krokodil war, ist und bleibt allerdings immer eine schweizerische Lokomotive!



Schmalspur-Krokodile

YSteC (Chemin de Fer Yverdon-Ste. Croix)

Yverdon-Ste.Croix Krokodil
„Krokodil“ der YSteC im Oktober 1997 in Yverdon-les-Bains

      Die YSteC (Chemin de Fer Yverdon-Ste. Croix), eine 1000-mm-Schmalspurlinie im Kanton Waadt (Vaud, VD), hat eine Lok in Besitz, der man sofort ansieht, warum sie „Krokodil“ heisst.
      Die aus dem Jahre 1950 stammende vierachsige Drehgestell-Lokomotive (bis 1977 Te 4/4, seitdem Ge 4/4 21) für den Güterzugdienst wurde im Herbst 1996 mit diesem neuen Anstrich versehen.

      Ich habe E-Mails bekommen, in denen ich zur Korrektur aufgefordert wurde: Diese Lok sei kein „Krokodil“, da es keine Gelenklokomotive ist. Schade, dass einige (wenige) meiner Leser deutlich weniger Sinn für Humor haben als die Direktion der YSteC …


BVZ (Brig-Visp-Zermatt-Bahn)

BVZ Krokodil
Krokodil der BVZ am 8. August 1994 in Brig
(Copyright © Gunnar Meisner, mit freundlicher Genehmigung hier verwendet)

      Auch die ehemalige BVZ (Brig-Visp-Zermatt-Bahn, am 1. Januar 2003 mit der FO fusioniert zur Matterhorn-Gotthard-Bahn, MGB) hatte ihre Krokodile; die Abbildung zeigt die Lok Nr. 15 der Baureihe HGe 4/4 I.
      Fünf Lokomotiven dieses Typs (Betriebsnummern 11–15) wurden 1929/30 in Dienst gestellt. Die 14,1 m langen und 46,8 t schweren Maschinen erreichen bei einer Leistung von 736 kW eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h (Adhäsion) bzw. 25 km/h (Zahnrad).


Rhätisches Krokodil (RhB)

Baureihe Ge 6/6 I, Rhätische Bahn
Ge 6/6 I Nr. 407 des Albula-Bahn-Club in Bergün

      Insgesamt 15 Lokomotiven der Baureihe Ge 6/6 I nahm die RhB zwischen 1921 und 1929 in Betrieb (Nummern 401–415). Bis zur Ablieferung der Ge 6/6 II im Jahre 1965 waren sie vor allen Zuggattungen anzutreffen, seitdem wurden die 6/6 I vorwiegend vor Güterzügen eingesetzt. Im Moment sind noch drei 6/6 I betriebsfähig; vom Plandienst weitgehend ausgenommen, sind sie regelmässig vor Sonderzügen (z.B. dem Alpine Classic Pullman Express), manchmal auch in Mehrfachtraktion mit Dampflokomotiven, anzutreffen.
      Im Verkehrshaus in Luzern kann man ein SBB-Krokodil und ein Rhätisches Krokodil direkt nebeneinander besichtigen.


Bernina-Krokodil (ursprünglich BB, heute RhB)

      Zum Schluss kommen wir zu einer echten Rarität, dem „Bernina-Krokodil“.

Bernina-Krokodil am Lago Bianco, 25.9.76
Das Bernina-Krokodil Nr. 182 am Lago Bianco vor der Einfahrt in Ospizio Bernina am 25.9.1976
(Copyright © S. Unholz, mit freundlicher Genehmigung hier verwendet)

      Die Ge 4/4 182 ist einmalig; nur ein Exemplar dieses Typs ist jemals gebaut worden. Die Lok wurde 1928 an die (damals noch selbstständige) Bernina-Bahn geliefert und als BB 82 in Dienst gestellt; es war dies die letzte Lokomotive, die von der BB beschafft wurde.
      Anfangs trug Nr. 82 an beiden Enden riesige Schneeräumer, mit denen die Lok fast wie ein selbstfahrender Schneepflug und nicht wie eine „richtige“ Lokomotive aussah. 1943 wurde die BB von der RhB übernommen, und 1946 wurden die grossen Schneeräumer dann entfernt. Dadurch wurde Nr. 82 etwas kürzer (Länge über Puffer 14,0 statt 14,4 m) und wesentlich leichter (43,0 statt vorher 44,8 Tonnen).
      1961 wurde Nr. 82 auf Nr. 182 umnummeriert, und die letzte äusserlich sichtbare Veränderung ergab sich 1966, als die Scherenstromabnehmer durch einholmige Faiveley-Pantographen ersetzt wurden, die von den Bernina-Triebwagen 37 und 38 stammten.

      Es gab zwar einmal ein Modell der 82 in Grün, aber die Maschine war immer braun, wie mir die RhB bestätigt hat. Mehr dazu unter dem Eintrag Edelweiss auf der Seite „H0m-Modell-Hersteller“.

Bernina-Krokodil im Depot Landquart, November 1978
Das Bernina-Krokodil Nr. 182 im Depot Landquart im November 1978.
Beachten Sie, dass die Lok jetzt wieder Scherenstromabnehmer trägt. Diese wurden wahrscheinlich für eine „Krokodil“-Ausstellung im Verkehrshaus Luzern montiert.
(Copyright © S. Unholz, mit freundlicher Genehmigung hier verwendet)
 

      Die RhB verkaufte Nr. 182 im Jahre 1978 an die La-Mure-Museumsbahn in Frankreich; die Lieferung erfolgte erst 1984. Leider hatte man nicht berücksichtigt, dass diese Bahn mit 2400 V Gleichstrom betrieben wird, das Bernina-Krokodil aber Fahrspannungen zwischen 750 und 1000 V benötigt. Die Maschine wurde daher einfach abgestellt. 182 rostete und verrottete still vor sich hin.

      Erfreulicherweise ist diese einmalige Lokomotive nicht dazu verurteilt, unter dem Schneidbrenner zu enden:
      Am 17. Juli 1999 hat sich die Associazione 182 konstituiert. Ziel: Die Rettung des Bernina-Krokodils. Die Vereinigung hat die Lok inzwischen zurück gekauft und Sponsoren gefunden. 182 wird restauriert und soll irgendwann wieder die Berninabahn befahren. 2007 sah die Lok schon wieder recht ansehnlich aus. Blder und alle Informationen zu diesem Projekt finden Sie auf der → Website des „Club 1889“.


Fussnoten:

  1. Es gibt sogar zwei Bahngesellschaften, deren Name mit RHB abgekürzt wird: Die → Rhein-Haardtbahn in Deutschland und die → Rorschach-Heiden-Bergbahn in der Schweiz.

Literatur:

"Krokodil"-Bücher
Zwei Standard-Werke zum Thema „Krokodil“:

Jörg Hajt
Das Grosse Krokodil-Buch
Heel Verlag GmbH, Königswinter 1998
ISBN: 3-89365-715-0

Sie finden darin Alles über die Krokodile der SBB, der ÖBB und natürlich der RhB; die übrigen auf dieser Seite genannten „Krokodile“ (OeBB, BVZ) werden allerdings nicht behandelt.

Hans-Bernhard Schönborn
Krokodile
Legende auf Schienen:
Normal- und Schmalspur
GeraMond Verlag, München 1999
ISBN: 3-932785-54-1

Eine Übersicht, die wirklich Alles berücksichtigt, was sich „Krokodil“ nennt, einschliesslich OeBB, BVZ und ausländischer Lokomotiv-Typen.


Copyright © 1997–2008 und verantwortlich für den Inhalt: Christoph Ozdoba.
Erste Veröffentlichung am 30. Dezember 1997, letzte Bearbeitung am 17. Februar 2008.


Zurück zur Sektion Fahrzeuge / zur Startseite.


Durch das World Wide Web Consortium validierter Code gemäss dem Standard XHTML 1.0 Transitional   Erstellt mit einem Mac