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Nikon-Messsucherkameras („Rangefinder“) 1948–1965

Nikon M und Nikon S

Nikon M und Nikon S – Produktionsgeschichte

Nikon M
Nikon M
(Abb. Copyright © Nekogahora Camera Collection, mit freundlicher Genehmigung hier verwendet)

      In der Literatur und bei Nikon-Sammlern gibt es gewisse Kontroversen darüber, was eigentlich eine „M“ und was eine „S“ ist. Dank der exzellenten Recherche von Robert Rotoloni wissen wir immerhin, dass von den ersten drei Modellen zusammen (I, M und S) 39'127 Stück gebaut wurden.

      Die Nummerierung der Kameras wurde ab der „I“ mit dem Nachfolgemodell „M“ lückenlos, also mit der Seriennummer 609760, fortgesetzt; neu und auf den ersten Blick erkennbar war der grosse Buchstabe „M“, der vor der Seriennummer in das Gehäuse eingraviert wurde (s. Abbildungen oben und unten).

      Der Produktionsauftrag mit der Nummer 6FB-2, der uns schon bei der „I“ begegnet ist, beinhaltete sowohl die letzten 438 „I“ wie auch die ersten 162 „M“. Die übrigen „M“ wurden im Rahmen der Produktionsaufträge 6FB-3 (600 Stück), 6FB-4 (600) sowie 6FB-5 (281) gefertigt. Dass diese ersten 1'643 Kameras dieser neuen Serie „echte“ Nikon M sind, darf als unbestritten gelten; sie tragen die Seriennummern von 609760 bis 6092402.

Zwei Nikon M
Ein Pärchen, auf das der Besitzer zu Recht stolz sein darf:
Die Seriennummern weisen beide Kameras als frühe („echte“) Nikon M aus.
(Abb. Copyright © Nekogahora Camera Collection, mit freundlicher Genehmigung hier verwendet)

      Woher kommt nun diese Diskussion um „echte“ M und solche, die eigentlich gar keine „M“ mehr sind, sondern von den Hardlinern unter den Sammlern (vorwiegend in Japan) bereits als „S“ eingestuft werden?
      Es geht um zwei kleine Anschlüsse jeweils an der linken Vorder- und Hinterseite des Kameragehäuses – die Blitzsynchronisation.

Nikon S Nikon S Detail: Blitzsynchronisation
Die linke Abbildung zeigt eine Nikon S; man erkennt an der linken Vorderseite/Seitenfläche die beiden Blitz-Anschlüsse (rechts vergrössert).
(Abb. Copyright © Foto Arsenal, Nürnberg, mit freundlicher Genehmigung hier verwendet)

      Die „M“ hatte keine Blitzsynchronisation, die „S“ hatte sie.

      Häufig findet man in der Literatur als „Goldene Regel“, dass eine Nikon M eben an dem Buchstaben „M“ vor der Seriennummer zu erkennen sei, und dass es serienmässige „M“ ohne und solche mit einer im Werk oder bei einer Niederlassung nachgerüsteten Blitzsynchronisation gebe. (Achten Sie einmal in den Angeboten amerikanischer Händler darauf: Dort wird zwischen synchronized und unsynchronized M-Modellen unterschieden.)

      Dies, sagen einige japanische Sammler, sei zwar sehr einfach, aber dafür leider falsch: Wenn eine Kamera ein „M“ vor der Seriennummer, aber einen Blitz-Synchronisationsanschluss hat, dann ist es eben keine „M“ mehr, sondern eine frühe „S“, bei deren Herstellung noch die „auf Vorrat“ produzierten Deckplatten der „M“ verwendet worden sind, die das grosse „M“ vor der Seriennummer hatten. Bezeichnungen wie die von Braczko (Pocket Book) erwähnte „Nikon MS“ (Synchro) lassen diese Nikon-Freunde nicht gelten.

      Diese strenge Definition einer „M“ ist auch die „offizielle“ Definition des Unterschiedes zwischen M und S bei der Firma Nikon selbst, weshalb ich mich ihr hier anschliesse (vgl. „Produktionsdaten“). Auch der bekannte Price Guide von McKweon weist explizit darauf hin: „Late M's with flash sync are considered by the factory to be S's, even though they have the M serial number.“

      DFalls Sie jetzt einwenden, dass es wichtigere Probleme auf der Welt gibt als eine nachgerüstete Blitzsynchronisation bei einer fünfzig Jahre alten Kamera, stimme ich Ihnen grundsätzlich zu. Sammler allerdings sind nicht nur, nach Goethe, glückliche Menschen, sondern meist auch Menschen, die nun einmal ihre Sammelobjekte so exakt wie möglich einordnen wollen. Wenn Sie ausserdem einmal (in der Sektion „Sammlermarkt“ unten auf dieser Seite) die Preise für „M“- und „S“-Modelle vergleichen, wird Sie dieses Thema, wenn Sie Nikon-Sammler sind, durchaus interessieren, insbesondere, wenn Sie eine alte Kamera auch ein wenig unter dem Gesichtspunkt der Investition in eine (technische) Antiquität sehen.

      Die „S“ wurde immer noch unter der Produktionsauftrags-Nummer 6FB gebaut; manche Sammler bezeichnen die „I“, die „M“ und die „S“ daher kurz zusammengefasst als die 6FBs. Unter der Produktionsnummer 6FB-5 wurden noch 281 „M“ und die ersten 291 „S“ gefertigt, die Nummern 6FB-6 bis 6FB-42 beinhalteten je 1'000 Nikon S, und die Produktion der „S“ endete mit 1'027 Stück des Produktionsauftrages 6FB-43.

      Nippon Kogaku konnte aufgrund der grossen Stückzahlen der „S“ die Seriennummern-Vergabe nicht mehr in der bisherigen Weise, mit der historischen 609 am Anfang, fortsetzen. Die Nummer wurde dabei immer länger, so kam es, dass ca. 1'500 Nikon S mit einer achtstelligen Nummer (609xxxxx) gefertigt wurden. Man entschloss sich daher, auch die ersten Ziffern in die Zählung einzubeziehen. Die Seriennummern reichen daher von der neuen 610 am Anfang bis in den Bereich von 612. Legt man die produzierte Stückzahl zugrunde, sollte die letzte produzierte „S“ die Nummer 6129147 tragen. Es sind jedoch ”S“ mit höheren Nummern bekannt, so dass offensichtlich Lücken in der Seriennummern-Vergabe existieren (Kameras, welche die Qualitätskontrolle nicht passierten?).

 

Nikon M und Nikon S – Technik

      Die wesentlichste mit der „M“ eingeführte Änderung war die Umstellung des Bildformates. Das unpopuläre und exporthemmende Format 24x32 mm der Nikon I wurde abgelöst, allerdings immer noch nicht durch das Standardformat von 24x36 mm, sondern durch eine neue Variante: 24x34 mm war jetzt das Bildformat, und dieses Format passte in konventionelle Diarahmen. Diesem medium format, also der Mitte zwischen 24x32 (Nikon I) und 24x36 (Rest der Welt) verdankt die „M“ übrigens ihren Namen.

      Neben diesem neuen Format und eben dem eingravierten „M“ gab es noch einen wichtigen Unterschied zum Vorgängermodell Nikon I, der erst beim Abziehen der Rückwand erkennbar wird: Die Nikon M hatte jetzt eine vom Werk justierte, fest montierte Spulenrolle zum Aufnehmen des Films. Die Zubehörschienen oben auf dem Gehäuse erhielten kleine Andruckplatten – gedacht waren sie nach wie vor für die Anbringung von Zusatzsuchern, an Blitzgeräte dachte man zunächst noch nicht.

      Die „M“ brachte, trotz ihrer nur kurzen Bauzeit (März bis Dezember 1950), den Durchbruch für Nippon Kogaku: Amerikanische Kriegsberichterstatter, die in Tokyo ihre Basis für Reportagen vom Koreakrieg eingerichtet hatten, berichteten begeistert über ihre Erfahrungen mit dieser Kamera. Selbst die New York Times brachte am 10. Dezember 1950 einen Artikel über diese hervorragenden neuen Kameras („The camera is the Nikon, […] the lenses […] are the Nikkor“), die sich als überlegen gegenüber den von den Korrespondenten bisher verwendeten deutschen Kameras erwiesen hatten („[…] a sensation among magazine and press photographers […] that a Japanese camera and its lenses had proved superior to the German cameras they had been using“). Beachtlich für eine Firma, die zu diesem Zeitpunkt erst seit zwei Jahren Kleinbildkameras baute!

      Wer sich für Details dieser Entwicklung und die Rolle des berühmten LIFE-Fotografen David Douglas Duncan dabei interessiert, sollte Braczkos Nikon Faszination lesen. Ein interessanter Bericht aus erster Hand, der die Erfahrungen mit einer frühen Nikon schildert, findet sich in Comon/Evans' Nikon Data.

      Die Ablösung der Nikon M kam im Januar 1951, und mit dieser neuen Nikon S gelang Nippon Kogaku endgültig der Durchbruch auf dem wichtigen US-Markt. Die „S“ wurde erstmals offiziell in die USA eingeführt und konnte ganz regulär in Foto-Fachgeschäften gekauft werden. Sie erreichte in den vier Jahren zwischen Januar 1951 und Januar 1955 eine Stückzahl, die Nikon schon zu einem Grossserien-Hersteller machte: Nicht weniger als 36'750 Stück wurden gebaut. Der Unterschied zur „M“ ist im Wesentlichen der weiter oben diskutierte Blitzanschluss, dem die Kamera möglicherweise ihren Namen verdankt (S für Synchro). Der Doppelanschluss war für die beiden getrennten Einstellungen „S“ („slow“, 1/8 bis 1 Sekunde) und „F“ („fast“, 1/20 bis 1/500 Sekunde) erforderlich.

      Erstmals gab es bei der „S“ offiziell, wenn auch in geringer Stückzahl, ein schwarzes Gehäuse (The Special Press All-Black Nikon), das heute unter Sammlern sehr gesucht ist. Auch die Gehäuse-Gravuren verdienen bei der „S“ besondere Aufmerksamkeit: Am 8. September 1951 endete die amerikanische Besatzung in Japan, damit verschwand die noch bei allen „I“- und „M“- sowie den frühen „S“-Modellen vorhandene Gravur MIOJ (Made In Occupied Japan). Die Gravur „EP“ auf dem Rückspulrad (und auf Taschen, Suchern etc.) bedeutet, dass die Kamera von einem US-Armee-Angehörigen in einem zollfreien Armee-Geschäft gekauft wurde.

      Wichtig für Sammler: Die Übergänge zwischen späten „I“- und frühen „M“-Kameras sowie zwischen „M“ und „S“ sind in vielen Fällen fliessend, so dass einige Details nicht verbindlich einem bestimmten Modell zugeordnet werden können. Es gibt beispielsweise unterschiedliche Ausführungen des Filmtransport- und des Rückspulrades, des Zubehörschuhs auf dem Gehäuse, der Farbe der Blitzanschluss-Buchsen usw. Selbst Rotoloni erwähnt diese Unterschiede nur global und versucht gar nicht erst, eine detaillierte Aufstellung zu liefern; er schreibt, dass von den ersten sechs Nikon M, die er gekauft hat, keine zwei absolut identisch waren („of the first six Ms acquired by the author, no two were identical“).

 

Nikon M und Nikon S – Sammlermarkt

      Im Gegensatz zur „I“ kommen wir hier allmählich in Bereiche, wo auch der Normalverdiener die Möglichkeit hat, sich an einer klassischen Nikon-Messsucherkamera zu erfreuen. Für die „M“ gilt dies zwar noch nicht, aber die „S“ können Sie ziemlich konstant für weniger als den Occasionspreis einer F4 finden.

Nikon M
In einem solchen Zustand ist für jede einzelne dieser beiden Nikon M immer noch ein fünfstelliger DM-Betrag fällig …
(Abb. Copyright © Nekogahora Camera Collection, mit freundlicher Genehmigung hier verwendet)

      Grundsätzlich müssen Sie sich, wenn Sie die Anschaffung einer Messsucherkamera erwägen, zunächst darüber klar sein, was Sie eigentlich wollen: Ein Sammlerstück, das, mit liebevoll daneben drapierten Objektiven und vielleicht noch der Originalschachtel, in einer Vitrine ausgestellt werden soll? Oder darf es eine wirklich gebrauchte und durchaus auch gebraucht aussehende Kamera sein, mit der Sie selbst noch fotografieren wollen – wobei Ihnen vielleicht der Gedanke durch den Kopf geht, ob nicht gerade mit dieser Kamera das Pressefoto des Jahres 1951 gemacht wurde?

      Ich verhehle nicht, dass ich ein Anhänger der zweiten Variante bin – nicht nur aus Kostengründen. Ich finde es einfach schade, wenn diese Präzisionsgeräte zu einem Vitrinendasein verurteilt werden – sie wurden zum Fotografieren gebaut, und dafür sollte man sie auch benutzen, wenn man wirklich Freude an ihnen haben will.

      Wenn Sie sich für eine „M“ entscheiden, sollten Sie eine der 1'643 „echten“ Nikon M suchen. Wie oben ausgeführt, sind dies auch nach der Definition der Firma Nikon die einzigen wirklichen Nikon M. Letztlich stellt die Anschaffung einer solchen Kamera eine (nicht unerhebliche) Investition dar, und wenn Sie selbst (oder einmal Ihre Erben) diese Kamera wieder veräussern wollen, ist bei dem Moden und Trends unterworfenen Sammlermarkt nie vorhersehbar, ob auch die amerikanischen Sammler in 20 Jahren noch eine synchronized M akzeptieren oder ob sich nicht bis dahin die Erkenntnis, dass dies frühe S-Modelle sind, allgemein durchgesetzt hat.

      Preislich kommen Sie damit allerdings sehr schnell in fünfstellige (DM- oder Franken-)Kategorien. Zu dem Zeitpunkt, wo ich dies schreibe, hat B&H in New York gerade in der aktuellen Preisliste eine „M“ (ohne Angabe, ob „synchronized“) für $ 8'500,–. Die „M“ ist selten und teuer, und wenn Sie auf den Buchstaben vor der Seriennummer verzichten können, sollten Sie sich lieber nach einer „S“ umsehen – wenn Sie damit fotografieren wollen, bietet Ihnen die „S“ ohnehin durch die Blitzsynchronisation mehr Möglichkeiten!

      Ein Beispiel für ein „M“-Angebot, bei dem ich jedem Interessenten nur dringend raten kann, die Finger davon zu lassen (leider aus dem „richtigen Leben“; dieses Angebot steht im August 1999 auf der Website eines Internet-Händlers!):
      NIKON M, WITH SYNCH, M60937XX, 50/2 NIKKOR 617XXX, RED FLASH POSTS, SHUTTER STICKS, LENS LOCK BENT, MISSING SHUTTER RELEASE COLLAR, NO DENTS, MUCH WEAR, EX-/VG+ $2,500.00
      Da sollen Sie also über Fr. 4'000,– für eine „M“ bezahlen, die eigentlich eine „S“ ist (with synch), die einen klemmenden Verschluss und einen verbogenen Objektivanschluss hat, an welcher der Kragen um den Auslöser fehlt und die insgesamt wohl sehr deutliche Gebrauchsspuren aufweist! Wenn Sie soviel Geld ausgeben wollen, kaufen Sie lieber eine „S“ in Top-Zustand – oder rechnen Sie mit mindestens dem Doppelten für eine wirklich brauchbare „M“!

      Bei der Nikon S ist ebenfalls wichtig, ob Sie ein Sammlerstück oder eine Gebrauchskamera suchen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Varianten der „S“ sind erheblich: Die normale „S“ sollten Sie, mit Objektiv, in ordentlichem Zustand (B) für weniger als DM 2'000,– finden – bezahlen Sie nicht mehr, sondern suchen Sie im Zweifelsfall nach einer anderen Quelle! Das schwarze Gehäuse treibt den Preis gleich auf ein Mehrfaches, die MIOJ-Gravur der ersten Modelle auf annähernd das Doppelte. Zahlen Sie keinen signifikanten Mehrpreis für die EP-Gravur – insbesondere der US-Markt ist mit diesen Modellen reichlich bestückt.

      Eine Besonderheit der „S“ ist die erwähnte kleine Serie mit achtstelliger Seriennummer (eight digit S), für die Sammler wiederum erhebliche Mehrpreise bezahlen – fotografieren können Sie mit einer „S“ mit siebenstelliger Nummer genauso gut …

      Wenn Sie chronologisch weiterlesen möchten:

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Literatur:


Copyright © 1999 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 31. Juli 1999, letzte Bearbeitung am 3. August 1999.


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