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Nikon – Das Spiegelreflex-System seit 1959

50 Jahre F-Bajonett – wie kompatibel ist Nikon zu sich selbst?

Originaltext, Stand 9. Februar 2001:

      Mit der Vorstellung der AF-G-Objektive zur Photokina 2000, die keinen Blendenring mehr haben und damit nur noch über die Kamera gesteuert werden können, ist wieder einmal die Diskussion um die Kompatibilität des Nikon-SLR-Systems zu sich selbst aufgeflammt.

      Dies sowie ein Anfang 2000 geführter Briefwechsel (besser: E-Mail-Wechsel) zu diesem Thema (danke für die Anregungen, Wilfried!) war für mich der Anlass, einmal meine zugegebenermassen sehr subjektiven Gedanken zu diesem Thema auf meiner Website zu veröffentlichen. Sie mögen damit nicht einverstanden sein, aber wenn sich wieder interessante Diskussionen daraus entwickeln, sollte es mich freuen.


1959: Der Beginn der Legende

      Betrachten wir einmal die bisherige Entwicklung:

      Bis dahin war die Welt in Ordnung: Mit dem Profi-Flaggschiff F4 war mit Nicht-AI-Objektiven von 1959 sogar Matrixmessung möglich; die geradezu legendäre Kompatibilität des Nikon-Bajonetts war nicht in Frage gestellt.
      (Unrühmliche Ausnahmen wie die F-401 oder die m.E. überflüssigste je gebaute Nikon, die F-601M, bleiben dabei unberücksichtigt, ebenso die Serie-E-Objektive.)

      Dass es Nikon gelungen war, im Laufe von knapp 35 Jahren alle technischen Neuerungen wie Programmautomatik und Autofokus in das bestehende System zu integrieren, ist eine enorme Leistung – andere Hersteller hatten ihre Kunden in dieser Zeit schon häufiger mit kompletten Systemwechseln zu kostspieligen Neuanschaffungen gezwungen.


1996: Die Kompatibilität wird aufgeweicht


2000: Ende der Kompatibilität?

      Für die Anhänger der Theorie des ewig kompatiblen Bajonetts muss 2000 ein schwarzes Jahr sein: Im Januar erscheint die F80 – keine Belichtungsmessung mehr mit Objektiven ohne CPU. Gleichzeitig wird das erste VR-Objektiv vorgestellt – nur noch mit F5, F100, F80 und der Digital-SLR D1 verwendbar.
      Zur Photokina im Herbst erscheint das erste Objektiv der AF-G-Reihe: Ohne Blendenring kann es nur noch über die Kamera gesteuert werden. Dieses AF-Zoom Nikkor 70–300mm f/4.0–5.6G ist damit ausschliesslich an den Modellen F5, F100, F80, F65, F50 und F-401, den APS-Kameras Pronea 600i und Pronea S sowie der Digital-Kamera D1 voll verwendbar. An F4, F90/F90X, F70, F-801 und F-601M kann man es im P- und S-Modus einsetzen.


Ende der Kompatibilität – ja, und?

      Aus dem oben Gesagten folgt, dass der Nikon-Kunde derzeit ein bisschen aufpassen muss: An welches Gehäuse kann er sein PC-Nikkor noch anschliessen? Muss man eine F100 kaufen, um ein AF-S-Objektiv verwenden zu können?
      Wir erleben also einen gewissen Umbruch bei Nikon – neue Objektive werden immer „elektronischer“ und sind an ältere Gehäuse nicht mehr anschliessbar bzw. an diesen nur noch mit eingeschränktem Funktionsumfang verwendbar.
      Ja, und?

      Erwarten Sie denn ernsthaft, dass eine Firma zugunsten einer ewig dauernden Kompatibilität auf technischen Fortschritt verzichtet? (Liebe PC-Benutzer: Werfen Sie es Microsoft nicht immer wieder vor, dass auch Windows 98 noch Elemente aus der DOS-Ära enthält?)
      Nikon ist offenbar derzeit dabei, einen Schritt zu vollziehen, den andere Firmen schon vor Jahren getan haben. Ich finde darin nichts Negatives; man kann doch wirklich nicht realistisch verlangen, dass alle je gebauten Nikkore an alle jetzt und in Zukunft gebauten Nikon-Gehäuse passen werden.
      Dass gleichzeitig die Produktlinien für den Profi- und den Consumer-Markt etwas auseinander driften, ist marktpolitisch wohl unvermeidlich. Das erste AF-G-Objektiv wird keinen professionellen Sport- oder Tierfotografen begeistern, für den Urlaubs- und Gelegenheits-Fotografen ist dieses 70–300 an einer F65 aber vielleicht genau das Richtige.

      Ich hätte mir sogar eher gewünscht, dass Nikon diesen Schritt (oder Schnitt?) noch etwas radikaler gestaltet hätte, z.B. mit einem neuen, grösseren Bajonett, das neue Möglichkeiten für lichtstarke Objektive schafft und auch sehr langfristig für zukünftige Generationen von CCD-Chips geeignet ist (im Moment ist da ja sogar das bisherige Bajonett noch überdimensioniert, aber man könnte wieder einmal die Grundlage für die nächsten 35 Jahre schaffen).
      Mamiya hat im 6x7-Mittelformat diesen Schritt vollzogen und die RB 67 Pro SD mit einem neuen, weiteren Bajonett ausgestattet, um lichtstärkere Optiken an diesem Modell verfügbar zu machen. Geschadet hat es der Firma nicht!
      Vielleicht erleben wir ja diesen harten Schnitt noch, so um das Jahr 2004 mit einer F6 und einer völlig neuen Objektiv-Generation?
      Ich werde sicher nicht trauern, wenn eine der führenden Firmen im Kamerabau mit neuen Entwicklungen auf den Markt kommt …

      Addendum 09. Februar 2001: Nikon gibt die Kompatibilität doch nicht auf! An der ab April 2001 lieferbaren FM3A sind fast alle AI-, AI-S und AF-Objektive verwendbar.


Aktualisierung März 2008:

      Meine prophetischen Gaben sind wohl doch etwas eingeschränkt, wenn ich den obigen Text heute lese: Tatsächlich erschien 2004 die F6 (da hatte ich einfach das übliche 8-Jahres-Intervall zwischen neuen Profimodellen extrapoliert), aber ein grundsätzlich neues Bajonett hat weder diese letzte analoge Kamera im Nikon-Programm noch eine der inzwischen zahlreich erschienenen Profi-Digital-Kameras bekommen. Sie brauchen es auch nicht: Mit der D3 hat Nikon gezeigt, dass sich eine Vollformat-Digital-SLR durchaus im klassischen 46-mm-Bajonett realisieren lässt; dasselbe gilt für extrem lichtstarke Objektive.

      Mechanisch gibt es also keine Probleme; wie steht es um die Funktionalität? Die G-Objektive, die keinen Blendenring haben, sind nach wie vor im Nikon-Programm eher die Ausnahme als die Regel. Wenn Sie den Autofokus nicht brauchen, können Sie also immer noch ihre F3 mit den meisten modernen Objektiven kombinieren. Umgekehrt lassen sich immer noch AI-, AI-S- und Serie-E-Objektive an einer F6 oder D3 verwenden. Lediglich auf die ganz frühen nicht-AI-Objektive müssen Sie verzichten, aber damit kann man gut leben.

      Fazit: Das F-Bajonett ist und bleibt eine der genialsten Konstruktionen im Kamerabau; die Kompatibilität ist unerreicht. Merci, Nikon!


Copyright © 2000–2008 und verantwortlich für den Inhalt:

Erste Veröffentlichung am 10. September 2000, letzte Bearbeitung am 24. März 2008.


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